Camillo Bruni

Archiv für April 2011

Le Pavé

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Am Sonntag war Paris-Roubaix. Da werden mehr oder weniger spassige 250km von Paris ins nahegelegen Roubaix gefahren. Spezialität: Die rund 50km Pflastersteinstrassen. Und da ist nicht die Rede von unserem edlen Berner Altstadtsteinen, nein, das sind kleine, kaum Wagenbreite Landstrassen von unangenehmer Qualität. Nun, die zweitletzte Holperpiste befindet sich rund 5km von meiner Unterkunft. Bei bestem Wetter habe ich mich zu einer Gruppe Belgiern und einigen Franzosen an eine S-Kurve gesetzt. Danach hiess es Autos zählen, zuerst nur spärlich, dann immer dichter werden. Angefangen von einigen Organisatoren-Autos, über die mickrige Werbe-Karawane, bis zu den zig Teamwägen, beladen mit edlen Rennvelos. Den Beginn des Rennens habe ich am Fernsehen verfolgt, dort ging es noch mit ziemlichen Tempo vorwärts. Als dann die ersten Ausreisser eintrafen war das Tempo schon deutlich reduziert und ich fühlte mich an die Karikaturen aus les Tripplettes de Belleville erinnert. Mit staubigen Gesichtern, geöffneten Mündern und teilweise arg mitgenommenen Trikots wurden die letzten Kilometer erkämpft, darauf erpicht jede Möglichkeit zu nutzen dem ermüdenden Geschlottere auszuweichen. Mitunter wird dann auf einem schmalen Streifen Naturbelag zwischen Pflastersteinen und Strassengraben gefahren, und das mit Rennveloreifen. Nach und nach dünnten sich Fahrer aus, noch einmal eine Horde wild-rasender Teamwägen und dann eine weile mal nichts. Die ungeduldigen Zuschauer machten sich schon auf den Weg und stopften und machte mehr oder weniger gefährliche Manöver notwendig. So 10 Minuten nach dem Feld kämpften sich die letzten erschöpften Fahrer durch die johlenden Zuschauer, immerhin ein Trost.

Am Abend bin ich dann auch noch auf eine kleine 30km Tour los, welche wieder kurz nach Belgien führen sollte. Unterwegs bin ich unwissentlich auf eine Kopfsteinpflasterstrasse gestossen. Nach 20 Metern konnte ich glücklicherweise auf einem schmalen geteerten Velostreifen fahren, eine Wohltat. Die Minute auf dem holprigen Untergrund reizte alle meine Muskeln, Juckreiz inklusive :D . In Toufflers durfte ich mal wieder Bekanntschaft machen mit der ausserordentlichen Qualität der französischen Strassen. Ich fuhr mit etwas über 30km/h auf eine Teerkante mitten auf der Strasse, mit lautem metallischem Knall verabschiedete sich mein Pneu. Anfangs war ich noch erstaunt darüber, dass nichts passiert sei, doch nach einigen Metern rollte ich auf Felgen. Etliche Minuten mühsames Reifengeflicke später konnte ich so halbwegs weiterfahren. Meine Flickkünste waren nicht gerade Gold wert, und das übriggebliebenen Loch zerrte an meinen Nerven. 13 mal hatte ich mein Hinterrad behelfsmässig aufzupumpen um dann in einem Sprint nach wenigen hundert Metern wieder anzuhalten und von vorn zu Beginnen. Irgendwann bin ich dann doch noch zu Hause angekommen, Spass hat’s allemal gemacht ;) .

Geschrieben von camillobruni

2011-11-04 um 21:03

Veröffentlicht in Lille

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