Camillo Bruni

Varia

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Nun finde ich doch noch mal Zeit etwas zu schreiben. Die letzten Wochen waren etwas stressig ;) . Mittlerweile habe ich mich in Lille etwas eingelebt und verfalle langsam dem Alltagstrott, es gibt jedoch zahlreiche Anekdoten und Details die’s zu erzählen gilt.

Master

Bis vor ziemlich genau zwei Wochen stand meine Doktorandenstelle noch auf recht wackligen Beinen. Da ich mit meiner Masterarbeit noch nicht ganz fertig war konnte ich hier in Lille noch nicht angestellt werden, ohne Master keinen Doktor, ganz simpel. Nun, meine Masterarbeit ist eigentlich schon seit geraumer Zeit fast gänzlich abgeschlossen. Ganz getreu dem Motto eines Ladebalkens benötigen die letzten wenigen Schritte ewix. Mit support von Bern und einigen Nachtschichten gelang es die Arbeit am letztmöglichen Termin in Bern abzugeben und Lille mit einem Schreiben genügend davon zu überzeugen, dass ich den Master bestehen werde. Dank der  Schichtarbeit – tagsüber Korrekturen und Feedback aus Bern, nachts Umsetzung in Lille – geriet mein Tagesrhythmus um etwa 10h aus den Fugen :) .

Velo

Entgegen anfänglichen Befürchtungen fährt sich’s ganz angenehm hier in Lille. Die rund 6km von der Studentenunterkunft zur UNI kann ich grösstenteils auf einem holprigen Veloweg zurücklegen. Im Allgemeinen unterscheidet sich der französische Autoverkehr vom schweizerischen zwei Punkten. Die Franzosen fahre bedeutend rücksichtsvoller, mit der Grundeinstellung, dass man vielleicht doch auch im Unrecht sein könnte. Das beinhaltet, dass auch Fussgänger und Velofahrer Verkehrsteilnehmer sind, und nicht wie in der Schweiz ein komisches Zwischending. Der zweite gewaltige Unterschied ist die Handhabe von Stoppstrassen. Denen wird in der Schweiz meistens keine grosse Bedeutung angemessen und oft wie die normalen “Drüeggli” befahren. Hier jedoch stoppen mit Ausnahme einiger weniger Schweizer Velofahrer alle brav vor dem Stoppstreifen und fahren erst nach vollständigen Stillstand weiter. Dies sogar an Stellen welche vollkommen überschaubar sind, brav die Franzosen, brav.

Erfreut habe ich letzte Woche einen Vorschlag für Veloschnellrouten in Bern gelesen, etwas was hier in Nordfrankreich schon fast zutreffend ist. Mit schmunzeln musste ich auch die Reaktion der SVP lesen, welche dem Velo keine Sonderrechte zusprechen will. Nun ja, dem kann ich nur zustimmen solange dieselben den Autos auch abgetan werden. Ab auf die Autobahn, ich wollte schon immer mal über das Tiefenauviadukt radeln :D .

Roma

Bekanntlicherweise hat Paris seine Müh und Not mit den Romas in Frankreich. Auch hier in Lille finden sich einige Roma-”Siedlungen”. So auch auf dem UNI-Gelände. Gerade beim Eingang zum Campus finden sich einige Wohnwagen in einem kleinen Wäldchen. So wie’s scheint, sind die Roma ein grosses Tier in der Abfallwirtschaft Frankreichs. Das kleine Wäldchen ist zugedeckt von unbrauchbarem Sammelgut. Von weitem sieht das ganz nett aus, so nach Winterdecko, irgendwie. Die weissen Plastiksäcke haben einen nicht zu unterschätzenden Scharm (wie übrigens auch in Tunesien in der Wüste!). Dem morgendlichen Plastikbrand-Geschtank nach müssen die Dinger wohl auch als Heizmittel herhalten. Und auch hier wieder, zeigt sich der Plastiksack von seiner romantisch-künstlerischen Seite. Die Rauchschwaden verleihen dem abfalldekorierten Wäldchen eine träumerische Note. Das ganze könnte wohl von einem Terry Gilliam Streifen stammen (Der verschmutze Hinterhof aus “the imaginarium of doctor parnassus”). Zum Betteln werde wie üblich die Kinder auf die Metro oder die nahgelegen Kreuzung geschickt (vorteilhaft da viel Verkehr, Mittelinsel und lange Ampelperioden). Abends lungern die etwas älteren an den beiden Metrostationen der UNI herum. Normalerweise mit geschickter tränendrüsender Absicht auf Frauen gezielt. Wie immer wenn ich von fremdländischen mit der Absicht Geld einzustreichen angequatscht werde, antworte ich im freundlichsten Berndeutsch, dass ich doch eben kein französisch verstehe. Mit durchgreifendem Erfolg muss ich sagen, die meisten lassen ziemlich augenblicklich ab.

 

Die nächsten Wochen werde ich vor allem damit beschäftigen eine anständige Unterkunft zu finden. Den bisherigen Angeboten nach, sind die meisten WGs schon möbliert hier, nicht ganz meinem Wunsch entsprechend. Deshalb sehe ich mich nach einer Mietwohnung im Zentrum von Lille um.

 

grüess u bis gly

Geschrieben von camillobruni

2011-15-02 um 22:35

Veröffentlicht in Uncategorized

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